Der Radiowecker klickt, die Uhr zeigt 6:00, und aus dem Lautsprecher säuselt fröhlich ein Lied, das schon nach kurzer Zeit das akustische Äquivalent eines leichten Nervenzuckens wird. Phil Connors schlägt die Augen auf, blickt mürrisch ins Zimmer und muss bald feststellen, dass der schlimmste Albtraum jedes Zynikers wahr geworden ist: nicht der Weltuntergang, sondern Wiederholung.

Als «… und täglich grüsst das Murmeltier» 1993 in die Kinos kam, wirkte die Idee herrlich schräg. Ein überheblicher Wettermoderator bleibt in einer Zeitschleife hängen und erlebt denselben Tag in Punxsutawney immer wieder neu. Was zunächst nach einer hübschen Komödienprämisse klingt, entfaltet sich unter Regisseur Harold Ramis jedoch zu etwas viel Raffinierterem. Der Film ist witzig, aber nie bloss ein Gag-Automat. Er ist romantisch, ohne klebrig zu werden. Und er stellt ganz nebenbei die erstaunlich grosse Frage, was ein Mensch mit einem Leben anfangen würde, wenn ihm plötzlich unendlich viele zweite Chancen zur Verfügung stünden.

Bill Murray in Bestform

Bill Murray trägt den Film mit einer Präzision, die fast beiläufig wirkt. Sein Phil Connors ist am Anfang ein Mann, dem man nicht einmal eine nasse Zeitung freiwillig ausleihen würde. Arrogant, genervt, herablassend: Er stolpert durch den verschneiten Kleinstadtalltag, als hätte er mit jeder Minute persönliche Rechnungen offen. Gerade deshalb macht es so viel Spass, ihm beim langsamen Umlernen zuzusehen.

Der grosse Witz des Films liegt nämlich nicht nur in den wiederkehrenden Situationen, sondern darin, wie kreativ Phil auf sie reagiert. Mal nutzt er die Schleife für kleine Bosheiten, mal für grosse Verzweiflung, mal für romantische Annäherungsversuche, die mit schöner Regelmässigkeit gegen die Wand fahren. Der Film hat dabei ein fast mathematisches Gespür für Timing. Eine geöffnete Tür, ein ausrutschender Schritt, ein falsch platzierter Spruch: Alles sitzt, alles kommt zurück, und alles wird mit jeder Wiederholung noch etwas besser.

Komödie mit Herz und Tiefgang

Dass «… und täglich grüsst das Murmeltier» bis heute so geliebt wird, liegt aber nicht nur an seinem Humor. Unter der cleveren Konstruktion steckt ein überraschend warmes Herz. Aus der Zeitschleife wird nach und nach eine Schule der Geduld, der Freundlichkeit und der Selbstironie. Phil lernt Klavierspielen, hilft Fremden, fängt fallende Menschen auf und entdeckt ganz langsam, dass ein guter Tag nicht zwingend davon abhängt, ob die Welt sich nach ihm richtet.

Gerade dieser Wandel macht den Film grösser als viele andere Komödien seiner Zeit. Er lacht über seinen Helden, aber nie bösartig. Und er erlaubt sich, zwischen all den Pointen etwas sehr Menschliches zu erzählen: dass Veränderung oft nicht in einem heroischen Moment geschieht, sondern in kleinen, wiederholten Entscheidungen. Man könnte auch sagen: Charakterentwicklung, aber mit Schneematsch, Kaffeeduft und einem Murmeltier im Rampenlicht.

Warum der Film nie alt wird

Viele Filme altern sichtbar. Frisuren, Schnitte, Witze, Soundtrack: Irgendwann trägt das Ganze Patina. «… und täglich grüsst das Murmeltier» dagegen wirkt erstaunlich zeitlos. Vielleicht gerade deshalb, weil seine Grundidee so einfach und so universell ist. Wer hat nicht schon einmal einen Tag erlebt, der sich wie eine schlecht gelaunte Wiederholung anfühlt? Wer hat nicht schon gedacht, dass man es morgen vielleicht endlich besser machen könnte?

So bleibt dieser Film ein seltener Glücksfall: eine Komödie, die federleicht wirkt und dennoch Substanz hat. Man kann ihn wegen Bill Murray schauen, wegen der klugen Struktur, wegen der Romantik oder einfach wegen der Freude daran, wie aus einer absurden Idee ein moderner Klassiker wird. Und wenn am Ende wieder der Wecker klingelt, ist das hier keine Strafe, sondern ein Versprechen. Manche Filme darf man sehr gern immer wieder erleben.